Geschichte der DIG

Die DIG – Diplom Interessen Gemeinschaft

Vom CHC zur DIG

In vielen Ländern wurden Funkamateure auf den CHC aufmerksam, erfüllten die Aufnahme-Regeln (man musste 25 Diplome besitzen) und wurden CHC-Mitglieder. Der nächste Schritt folgte Anfang der Sechzigerjahre: K6BX war einverstanden, dass neue so genannte CHC-Chapter gegründet wurden. In Deutschland gründete DL9KP das CHC-Chapter #10 und wurde dessen erster Präsident, unterstützt vom Vizepräsidenten Hans Christian Schütt, DL9XN[3] und dem Sekretär Hansgeorg Bähr, DJ2UU, der auch als Diplom-Manager des DL-CHC-Chapters fungierte. Die Herausgabe und den Druck der Diplome veranlasste und finanzierte vor allem DL9KP. Die Diplomgebühren waren die einzige Einnahme der deutschen CHC-Gruppe.
In kurzer Zeit entstanden weltweit viele CHC-Chapter, so zum Beispiel das mit dem DL-Chapter eng befreundete Chapter #3 in Südafrika, das Chapter #8 in England, das Chapter #52 in Ungarn – und nicht zuletzt das Chapter #23 in der DDR. Zuletzt gab es weit über hundert nationale oder nach Interessen (Ärzte, Piloten, SWL, Amateurfunk-Redakteure…) gegliederte Chapter, die alle ihre eigenen Netze, CHC-Runden und Diplom-Programme hatten.
Als DJ2UU später sein Amt zur Verfügung stellte, suchte DL9KP einen Nachfolger. Hans Christian Schütt wohnte in Duisburg, nur etwa 40km von Velbert entfernt, wo Eberhard Warnecke, DJ8OT, inzwischen aktiver CHCer war und jeden Donnerstagabend ein wöchentliches CHC-Netz führte. Im Auftrag von DL9KP wurden neue CHC-Diplome gedruckt, und bald erschienen die ersten CHC-Rundbriefe. Das Chapter #10 gab als einzige Gruppe gemeinsam mit dem inzwischen gegründeten DL-SWL-CHC-Chapter regelmäßig Mitgliederlisten und Diplomausschreibungen heraus, inzwischen alles in der Freizeit unentgeltlich gedruckt bei DJ8OT. Es kam sogar mehrfach in DL zu internationalen CHC-Treffen in Kempen, Velbert, Berlin und Wolfsburg. Das DL-CHC-Chapter #10 war fraglos eine der aktivsten Gruppen außerhalb der USA.

Der CHC-Niedergang

Der Erfolg seiner Initiative war Cliff Evans offenbar zu Kopf gestiegen, denn K6BX begann, für alle CHC-Mitglieder unverständlich, eine ungewöhnliche Aktion nach der anderen und brachte sich und seinen CHC in eine zuletzt unmögliche Situation. Für ihn zählten nur die eigenen Diplome, die übrigens in der Gestaltung mehr als bescheiden ausgefallen waren. Jedes bekannte Leistungsdiplom hingegen würdigte er herab oder stellte ihm ein „Pendant“ gegenüber. So muss man zum Beispiel für das bekannte vom CQ Magazine begründete Worked All Zones (WAZ) alle vierzig WAZ-Zonen der Welt bestätigt vorliegen haben; bei K6BX bekam man für einen US-Dollar bereits ein „WAZ“ ab fünf Zonen – mit kostenpflichtigen Stickers für jeweils weitere fünf. Noch eklatanter ist der Klon des DXCCs. Schon der Name des Diploms besagt, dass man hundert bestätigte DXCC-Gebiete nachweisen muss, um in den von der ARRL betreuten DX Century Club aufgenommen zu werden. Bei K6BX erhielt man das Grunddiplom um einen Dollar für nur fünf bestätigte Länder, natürlich erweiterbar mit möglichst vielen Stickers. Der Verdacht lag nahe, dass Cliff Evans eine perfekte Einnahmequelle gefunden hatte, brauchte er doch bloß in xerokopierte Einheitsvorlagen mit der Schreibmaschine die Bezeichnung des Diplome und den Namen und das Rufzeichen des Antragstellers eintippen. So kam Cliff Evans über kurz und lang zu seinem Rufnamen „Mr. Moneymaker“.
Es gab für die Promotion auch so genannte CHC-Ambassadors für alle Kontinente und einzelne Länder, die als „Botschafter“ die Aufgabe hatten, möglichst viele neue Mitglieder zu gewinnen. Inzwischen genügten statt fünfundzwanzig nur noch zehn Diplome für eine CHC-Mitgliedschaft und das Recht, neue Chapter zu gründen. Für Europa und Deutschland war es Albert L. Kemmesies, K1QHP (ex FL8AK, K2JCS, F7FR, 3A2BN, W4FOC, DL4DL etc.), der sogar auf einem CHC-Treffen der Öffentlichkeit eine CHC-Queen präsentierte.
K6BX war in seinem Erfindungsreichtum für neue Gruppen und Diplomprogramme nicht mehr zu überbieten. Um die Raffsucht des Präsidenten bloß zu stellen, erfanden einige Funkamateure 1967/68 siebzehn verschiedene Diplome, reichten sie jeweils mit einem absolut falschen Diplomantrag ein, vergaßen aber nicht, ausreichend Dollarscheine beizulegen. Prompt erhielten die Bewerber für ihre Fantasie-Anträge die wie üblich mit Schreibmaschine ausgefüllten „Diplome“.
Cliff Evans gab auch eine Zeitschrift heraus, den XTRA-News-Letter. Anfangs war diese Information, zweckgebunden auf Diplom-Informationen, eine wertvolle Bereicherung. Auch das Directory of Certificates and Awards von K6BX war ein wirklich brauchbares Nachschlagewerk. Mit der Zeit begann Evans allerdings in seinen Publikationen alles anzugreifen, was sich ihm wirklich oder scheinbar entgegensetzte oder bloß eine andere Meinung vertrat. Immer heftiger wurden die Attacken gegen die Präsidenten der ARRL, die Vorsitzenden der IARU-Verbände in England, Deutschland, der Sowjetunion und vieler anderer Länder. Um weltweit für sein Ansinnen Unterstützung zu bekommen, ernannte er andererseits die selben Funktionäre, also etwa die Präsidenten, Vorsitzenden, Sekretäre und Geschäftsführer der nationalen Funkverbände weltweit zu CHC-Ehrenmitgliedern, selbst wenn sie an Diplomen nicht wirklich interessiert waren.

Cliff Evans und das DL-CHC-Chapter #10

1967: Cliff Evans, K6BX, besucht Europa
Plötzlich verbreitete sich die Nachricht, K6BX komme nach Frankfurt, bleibe hier einige Tage und werde dann die CHC-Chapter in Osteuropa besuchen. Eine aktive Gruppe deutscher CHC-Mitglieder und DX-Freunde traf sich daraufhin in Frankfurt/Main und bereitete K6BX einen wirklich würdigen Empfang. An jenem Wochenende im Hotel Holiday Inn waren unter anderem dabei: Hansgeorg Bähr, DJ2UU; Renate Krause, DJ9SB; Wolfgang Landgraf, DL9HC; Hermann Groh, DL1HH; Carl Vogel, DL9RE; Karl Diebold, DJ1BM, der spätere DARC-Geschäftsführer, und sogar K1QHD/DL4EO, der oben erwähnte Albert L. Kemmesies. Vor allem Hansgeorg Bähr, DJ2UU, und Eberhard Warnecke, DJ8OT, legten großen Wert darauf, den CHC-Boss endlich zu treffen, freundlich zu begrüßen und ihm einige Fragen zu stellen.
Das Treffen verlief skurril bis unverständlich. Zunächst beachtete K6BX das Empfangskomitee überhaupt nicht, und die deutschen Gastgeber dachten schon, ihr Englisch sei vielleicht nicht ausreichend gut. Sie baten perfekt englisch sprechende Freunde um Übersetzungshilfe und mussten feststellen, dass K6BX sie weder anhören noch verstehen wollte. Stellte man ihm eine Frage, antwortete K6BX, er trage im Augenblick nicht die Brille mit seinem Hörgerät und könne daher nichts verstehen. (Als im zweiten Weltkrieg hoch dekorierter Bomberpilot war K6BX schwer kriegsversehrt, sah und hörte schlecht.) Man wartete geduldig, bis er die Brille wechselte, und wiederholte die Frage. Jetzt sagte Evans, er habe zur Brille mit den falschen Gläsern greifen müssen, könne sein Gegenüber nicht erkennen, und Menschen, die er nicht sehen könne, wolle er nicht antworten.

Was Wunder, dass die Begegnung damit auch schon ihr Ende gefunden hatte. Cliff Evans reiste weiter in die Tschechoslowakei, nach Ungarn und Rumänien und kehrte via DDR in die USA zurück. Überall verbreitete er die Nachricht, die Mitglieder der dortigen CHC-Chapter könnten sämtliche Diplome beim Chapter #10 in Deutschland beantragen und seien von der Zahlung der Diplomgebühr befreit. Daraufhin trafen bei DJ2UU Hunderte von Diplomanträgen aus den osteuropäischen Ländern ein, und aus zähneknirschender Solidarität erfüllte man den Funkfreunden ihre Wünsche. Die nur von Diplomgebühren und mit freiwilligen Beiträgen von DL9KP geförderte Kasse des Chapters sackte jeden Monat tiefer in die roten Zahlen. Als man einige Tausend DM im Minus lag, musste schließlich die Notbremse gezogen werden.

Die sowjetischen Funkamateure waren die ersten, die ein harsches Statement gegen K6BX verfassten und geschlossen aus dem CHC austraten. Dies bewirkte eine Lawine von CHC-Austritten, zumal die Begründung in der Zeitschrift der ARRL, der QST mit Nennung Hunderter von Rufzeichen veröffentlicht worden war. Mehrere CHC-Chapter folgten dem Vorbild der sowjetischen Amateure, und so verschwand auch so manches renommierte Diplom.

Zu dieser Zeit trat DJ2UU als Diplommanager des CHC-Chapters #10 zurück, um weiteres Unheil abzuwenden. Er wollte und konnte die Flut der ohne Gebühren eingereichten Diplomanträge nicht länger bearbeiten. Karl Heinz Kümmerle, DL2JB, sein Nachfolger, nahm den entscheidenden Schnitt vor uns akzeptierte nur noch Anträge mit Gebühren.

Ende und Neuanfang

Am 28. Oktober 1967 traf sich noch einmal der Vorstand des DL-CHC-Chapters #10 mit einigen Freunden (DL9KP, DL9XN, DJ2UU, DL3BP, DL8YX, DJ2XP, DJ2GG, DJ2YE und DL3WC) in Montabaur und verfasste ein Statement an K6BX. Er solle seine Anschuldigungen mit Bedauern zurück nehmen, denn man könne es noch immer nicht fassen, dass ein einstmals international so angesehener OM seine eigene große Idee gefährde. Man gab K6BX ein volles Jahr Zeit zur Antwort – die aber nie mehr erfolgte.

Als die Frist verstrichen war, verfasste die Gruppe den letzten CHC-Rundbrief. Es war nur eine Seite mit der knappen Mitteilung in deutscher und englischer Sprache, dass das CH-Chapter #10 sich als aufgelöst erkläre.

Damals gab es jeweils im Herbst ein mit jedem Jahr besser besuchtes internationales Amateurfunktreffen in Kempen am Niederrhein, das Ham Radio Border Meeting, HRBM, zu dem der DARC-Ortsverband Kempen unter Leitung seines blinden Vorsitzenden Heinz Richter, DJ4AH, einlud. Kempen war für Funkamateuren also ein Fixpunkt, und auch das DL-Chapter des CHC hatte bereits wiederholt dort zeitgleich CHC-Treffen ausgerichtet. Im Programmheft zum HRBM 1969 erfolgte der Aufruf, zur Gründung einer „neuen Diplominteressengruppe“ nach Kempen zu kommen. Diese Einladung ging nicht nur an die ehemaligen CHC-Mitglieder, sie wurde auch auf den Bändern eifrig verbreitet.
Der Zeitpunkt war insofern ungünstig, als der DARC damals jede Neugründung sehr skeptisch beobachtete: Man befand sich mitten in der heftigen Diskussion um den umstrittenen Bau eines Amateurfunk-Zentrums in Baunatal, und der Verdacht lag nahe, dass sich die kritische Opposition zu vereinigen suchte.

Dieser Verdacht war unbegründet. Von allem Anfang an hielt sich die neue Gruppierung aus allen Querelen heraus und bekannte ihre Loyalität zum DARC.

Am 10. Oktober 1969 wurde in der Gaststätte „Kempener Hof“ die Diplom Interessen Gruppe – DIG offiziell gegründet. Die von DJ8OT mit Hilfe von DL9KP, DL9XN und DL1YA erarbeitete Satzung wurde vorgelesen und angenommen, und jeder bei der Gründungsversammlung Anwesende, der unterschrieb, bekundete damit seine DIG-Mitgliedschaft. Anwesend waren fast nur ehemalige Mitglieder des CHC-Chapters #10, besaß also bereits zumindest die als Minimum erforderlichen 25 Amateurfunk-Diplome. Schließlich waren es vierzig Funkamateure, die sich seitdem zu den Gründern der DIG zählen dürfen.[4]

Die DIG Diplom Interessen Gemeinschaft 1969-2009

Die bereits eingangs unmissverständliche und einseitige Kooperationsbereitschaft mit dem DARC demonstriert, dass man sich nicht der zur Zeit grassierenden Abspaltbewegungen anschließt, den DARC als die nationale Repräsentanz des Amateurfunks anerkennt, aber dennoch innerhalb der gesetzten Zeile frei und unbeeinflusst tätig sein will. Aus heutiger Sicht erklärungsbedürftig ist der Hinweis auf den AHC. Der Award Hunters Club war eine international tätige und höchst angesehene Einrichtung, umsichtig betreut vom Sekretär Veikko Velamo, OH2YV.[2] Noch viele Jahre regt die DIG ihre Mitglieder an, auch eine AHC-Mitglied zu werden, denn das setzt eine große Leistung voraus: Man muss mindestens 25 Diplome aus einer relativ kleinen Auswahl erworben haben.

(2“) Die DIG spezialisiert sich darauf, besonders Informationen über Amateurfunk-Diplome weiterzugeben. Dies geschieht in regelmäßigen DIG-Runden auf den Amateurfunk-Bändern und in DIG-Rundbriefen, die in zwangloser Folge an die Mitglieder der DIG verschickt werden. Ziele der DIG sind weiterhin, die Aktivität auf den Amateurfunk-Bändern durch Stiftung guter Diplome zu fördern und die DIG-Mitglieder zu einer guten und schnellen Betriebstechnik zu bringen. … Die DIG arbeitet mit allen Amateur-Radio-Clubs zusammen, die die ungeschriebenen Gesetze des ‚HAM-Spirits’ beachten!“
Die wesentlichen Aktivitäten der DIG werden hier so beschrieben, wie sie sinngemäß aus der CHC-Zeit übernommen und im Laufe der Jahre nur jeweils adaptiert wurden. Von Anfang an ist die wöchentliche SSB-Runde am Donnerstag ab 18:00 UTC auf der „DIG-Frequenz“ 3.777MHz der wichtigste Treffpunkt, sehr bald mit regelmäßig mehr als 200 Teilnehmern. (Die Jahre später spontan geäußerte Einladung, alle Zuhörer mögen eine Postkarte oder einen SWL-Bericht schicken, wurde mit fast 450 Zuschriften beantwortet.) Vorübergehend wechselt man auf 3.677MHz, kehrt aber nach Inkrafttreten der neuen Amateurfunkbestimmungen am 1. Mai 1998 wieder auf die alte Hausfrequenz zurück – und der DIG-Gruß „77“ in Anspielung darauf gehört bis heute zum Erkennungszeichen aller DIGer, obwohl sich die Runde nun auf 3.755 trifft.

Die DIG-Rundbriefe erscheinen zunächst als Typoskript, vervielfältigt auf der verbandseigenen Abziehmaschine. Ab Mai 1975 wird der Rundbrief mit Titelbild gedruckt.
Von Anfang an sind das W-DIG-M (Worked DIG Members) und mehr noch die DIG-Plakette und die DIG-Trophy die größten Anreize für die Aktivität der DIGer. Unerlässlich ist daher die Herausgabe einer Mitgliederliste. Die ersten Listen stellt der DIG-Sekretär Eberhard Warnecke, DJ8OT, nach Feierabend im Handsatz für den Buchdruck zusammen. Durch Zusatzziffern ausgewiesen wird die Mitgliedschaft in zehn weiteren bekannten Klubs und Organisationen. Mit drei oder vier Seiten findet man aber bald nicht mehr das Auslangen. Zum Glück hält der Computer mittlerweile Einzug in den Alltag. Von 1976 bis 1980, anfangs noch mit Lochkarten, bereitet Peter Raichle, DJ6XV, die Printvorlagen für den Offsetdruck her. Zu jedem Rundbrief gehört eine Diplom-Beilage. Redakteur der ersten Stunde ist Günther Nierbauer, DJ2XP (später wird er Herausgeber des Neunkirchener Funkbriefs). Zu der Zeit ist dies das einzige verlässliche Nachschlagewerk in deutscher Sprache über Amateurfunkdiplome. Ein Blick ins Archiv zeigt auch hier die rasante technische Entwicklung, die es erst ermöglichte, das Werk weiterzuführen – unverkennbar auf rosa Papier: Anfangs werden alle Seiten mit tiefschwarzem Karbonband getippt und in Offset abgezogen. Eberhard stellt die Übersetzungen bei – DIG-Prinzip: Alle Unterlagen werden ausschließlich in deutscher Sprache publiziert. Die Seiten 191-233, bis 1976, gestaltet Elsa Vennekohl, DK7OR, auf diese Weise, die Seiten 235-388 entstehen dank einer damals revolutionären IBM-Composer-Schreibmaschine, die Marie-Luise Keusch, DL5KV, zur Verfügung stellt.
Beinahe naiv erscheint im Rückblick die Forderung nach „guten“ Diplomen, wird aber verständlich, wenn man sich der primitiven, nur aufs Abzocken bedachten CHC-Blätter erinnert und an die Schwemme gut gemeinter, jedoch häufig dilettantisch produzierter Diplome. In diese Zeit fällt auch der Versuch, verbindliche Kriterien zu erarbeiten: Aufgrund einer Aufforderung der IARU an ihre Mitgliedsverbände wird auf der DARC-Hauptversammlung im April 1977 in Karlsruhe ein neu gewählter Diplomausschuss (DJ2MG, DJ8OT, DL9AR) beauftragt, Diplom-Richtlinien auszuarbeiten, nach denen in Zukunft Diplome durch den DARC-Amateurrat anerkannt werden. Diese Richtlinien werden im Herbst bei der DARC-HV in Baunatal beschlossen [3] und erst im November 1986 durch Beschluss des DARC-Amateurrats ergänzt. Da ist die DIG längst in die Kontrolle und Regulierung einbezogen, und die Regeln werden erst 1999-2001 erneut an die aktuellen Erfordernisse angepasst. Offiziell ausgeschrieben und von der IARU anerkannt, werden alle Diplome und Auszeichnungen in vier Gruppen eingeteilt: Offizielle Diplome der IARU-Verbände selbst; von diesen anerkannte Diplome von Untergliederungen; andere Diplome, die weder offiziell anerkannt noch in den Publikationen der IARU-Verbände ausgeschrieben werden; und Jubiläums-Diplome, die höchstens zwei Jahre laufen und auch offiziell anerkannt werden können.[4]

DIG-Prinzip: Unaufgeregte Kontinuität

Nicht nur der vage Hinweis auf die ungeschriebenen Gesetze des HAM-Spirits sorgt für einiges Unbehagen. Da bereits bei der Gründung auch ausländische Amateure Mitglieder werden und sich die DIG grundsätzlich als internationale Gruppierung ansieht (was sich später auch durch die Gründung der DIG-Sektionen manifestiert), bedarf es einer klarer Regelung. Ursprünglich lautet die einschlägige Bestimmung der Satzungen:

„(3) Mitglieder der DIG können alle lizenzierten Funkamateure und SWLs werden, die die DIG-Regeln erfüllen.“
Auf dem 2. DIG-Treffen, 1970 in Kempen, kommt es nach langer Diskussion zu einer Kampfabstimmung, die aber wider Erwarten mit einem einstimmigen Beschluss endet:
„(3) Mitglieder der DIG können werden: (a) alle lizenzierten deutschen Funkamateure und SWLs, die Mitglied des DARC oder seiner korporativen Verbände sind, (b) alle ausländischen lizenzierten Funkamateure und SWLs, die Mitglieder ihres nationalen Amateur-Radio-Clubs sind.“[5]
Die Gleichstellung von Lizenzierten und Hörern ist ein unüberhörbares Signal, ist sie doch in der damaligen Praxis allenfalls Lippenbekenntnis; im Alltag hält sich unverbrüchlich das Vorurteil, ein SWL sei entweder zu dumm oder zu faul, zur Prüfung anzutreten, bestenfalls akzeptiert man ihn als ein im Vorzimmer strebend auf die Aufnahme in die wahre Gemeinschaft wartenden Kandidaten. Zugleich sichert die neue Regelung des §3, dass jedes DIG-Mitglied einer offiziellen QSL-Vermittlung angeschlossen ist („100% QSL“ wird DIG-Selbstverpflichtung) und die Ideale des Amateurfunks – wie sie vage im §2 formuliert sind – durch die nationalen IARU-Verbände vertreten werden.
Auf der DIG-Vorstandssitzung 1978 in Bad Bentheim werden geringe Änderungen in die Satzung eingefügt, die durch die Bildung des DIG-Rates notwendig wurden. 1983 wird die Satzung letztmalig redaktionell überarbeitet und ergänzt und ist danach nicht mehr geändert worden.
Überhaupt ist Kontinuität ein Wesensmerkmal der DIG. Dies wird auch durch die Persönlichkeiten im Vorstand belegt. Noch am Gründungstag wird der erste Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender ist Paul Kleinholz, DL9KP, 2. Vorsitzender Hans-Christian Schütt, DL9XN, DIG-Sekretär Eberhard Warnecke, DJ8OT, und und DIG-Diplommanager Karl-Heinz Kümmerle, DL2JB . Schon bei der Gründung wird festgelegt, dass der gewählte Vorstand für bestimmte Aufgaben weitere Mitglieder berufen kann, ohne dass diese erst durch weitere Gremien und Wahlen nominiert werden müssen. Man will erreichen, dass alles Erforderliche stets unverzüglich erledigt werden kann. Das Viererteam wird bis 1975 mehrfach wiedergewählt und mit den Jahren unterstützt, bedingt durch die wachsende Mitgliederzahl, durch vier weitere Vorstandsmitglieder: Rudolf Herpich, DL3IX, besorgt die Diplomauskunft; Anton Kohten, DK5JA, betreut die DIG-Sektion SWL; Klaus Koppmann, DC8YZ(DF7PS) übernimmt die Sektion UKW; Rudolf Knobloch, DJ3HJ, wird Kontest-Manager. Da Paul Kleinholz, DL9KP, durch viele Auslandsreisen an der regelmäßigen Präsenz verhindert ist und die Aufgaben stetig zunehmen, werden im Juni 1975 beim DIG-Treffen Vorstand und Mitarbeiter neu aufgestellt. 1. Vorsitzender ist nun Hans-Peter Günther, DL9XW; es gibt jetzt mit Hans Pollak, DJ0VZ, einen Beisitzer. Ernst Baumann, DJ8OI, löst Rudolf Herpich bei der Diplomauskunft ab. Neu hinzu kommen: Rupert Mohr, DL3NO, für die Sektion RTTY, Klaus Kleine, DJ1XP, für die DX-Runde, Gerd Jarosch, DL3CM, für die CW-Runde und Walter Hymmen, DL8JS, für den QSL-Adressendienst. – Ein kleiner Sprung zum zehnten Geburtstag der DIG: 1979 finden wir den Vorstand fast unverändert wieder. Hans Pollak, DJ0VZ ist nun 2. Vorsitzender; Walter Hymmen, DL8JS, hat neben dem Adressendienst nun auch die Rolle des 3. Vorsitzenden übernommen; Ulla Hymmen, DF6QP, ist Kassierer (damals gilt noch generell die männliche Form). – Wieder ein Sprung um zehn Jahre: 1989 ist Wolfgang Landgraf, DL9HC, 1. Vorsitzender, an 2. und 3. Stelle finden wir weiterhin Hans Pollak, DJ0VZ, und Walter Hymmen, DL8JS – und so bleibt das auch 1999 und 2009, jeweils unverändert mit Eberhard Warnecke, DJ8OT, als DIG-Sekretär. Änderungen gibt es, verständlicher Weise, bei den Fachreferenten und Referaten.

Das Diplom-Programm entsteht

Im Frühjahr 1970 legen der DIG-Vorstand und einige Mitglieder in Weinheim an der Bergstraße die ersten Diplombedingungen fest. Einige Ausschreibungen werden vom CHC-Diplomprogramm übernommen und neu gestaltet. Paul Kleinholz, DL9KP, finanziert den Druck; aus Kostengründen verwendet man so viele bereits vorhandene Klischees und Vorlagen wie möglich.
Aus dem WAE-CHC für europäische Präfixe wird das EU-PX-A, was den DARC freut, da ihn die Verwendung „seiner“ Abkürzung WAE (Worked All Europe) schon immer gestört hatte. Auch das WGLC (Worked German Large Cities) wird vom CHC übernommen, aber zunächst als WGLC-UKW, um einen Anreiz für die neuen C-Lizenzinhaber zu geben. Später gibt es das WGLC mit UKW-Sticker. Aus dem WGD (Worked German Districts) wird das 1000000, wobei auch DDR-Bezirke anerkannt werden. Durch die Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen wird das Diplom hinfällig und am 3. Oktober 1990 zum Germany Award umgestaltet.
Neu entwickelt wird das TMA (Two Modes Award), eine Erfindung von Werner Katte, DJ4OP, dem ersten Diplommanager. Es geht darum, fünfzig Länder sowohl in Telefonie wie in Telegrafie zu arbeiten. Neu ist auch das WDXS (Worked DX Stations), von DL9KP erfunden und nach wie vor eines der schwierigsten Leistungsdiplome. Für die höchste Klasse sind 2000 verschiedene DX-Stationen nachzuweisen, davon hundert auf 40 Meter und zwanzig auf 80 Meter. Für jeden DIGer ist aber sozusagen Ehrensache, zumindest die „eigenen“ Diplome zu erwerben, etwa das DIG77 (für 77 Kontakte mit DIG-Mitgliedern) oder das W-DIG-M (Worked DIG Members) und vielleicht sogar die DIG-Trophy zu schaffen, eine 14cm hohe und 400 Gramm schwere grün patinierte Schale aus Messingguss. Anfangs muss man eine gewisse Prozentzahl von DIG-Mitgliedern arbeiten, heute gilt die Bedingung, dass 500 DIG-Mitgliederpunkte und der Besitz von mindestens vier DIG-Diplomen erforderlich sind. Neben der Trophy sind die UKW- und CW-Plaketten höchst begehrt, eingeführt auf dem DIG-Vorstandstreffen 1972 in Camberg, bei dem auch nach heißer Diskussion beschlossen wird, dass man die Trophy nur einmal beantragen kann. Nur wenigen besonders Eifrigen steht die Trophy 1000 zu, die höchste aller zu überwindenden Hürden: Voraussetzung ist der Besitz sämtlicher DIG-Diplome in der höchten Klasse, der Trophy und der beiden Plaketten und der Nachweis von Kontakten mit 1.000 DIG-Mitgliedern.
Im Laufe der Jahre folgen weitere offizielle Diplome – Beispiel: der IAPA (International Airport Award), aber auch Kurzzeit- und Anlassdiplome wie das actio 40, im Frühjahr 1977 entwickelt zur Belebung des 40m-Bandes, das DIG-30 (1999: 30 Jahre DIG) usw. Die gesamte Aufstellung der des derzeit geltenden Angebots findet man im Internet.[6]

Immer neue Aktivitäten

Ralf Herzer, DL7DO, ist mit Leib und Seele Telegrafist. Er wirbt unermüdlich für die Einführung einer DIG-CW-Runde. Am 1. Januar 1972 erfolgt der Start, jeden Mittwoch ab 18:00 UTC auf 3.555. Ralfs Nachfolger wird Gerhard Jarosch, DL3CM, der die CW-Meisterschaft initiiert, die später an den HSV und an die AGCW-DL abgegeben wird. Es ist nur logisch, dass bald darauf die DIG-Sektion CW entsteht, ebenfalls geleitet von DL3CM. Die DIG-QSO-Party, eine Idee von Rudolf Knobloch, DJ3HJ, der auch den ersten Wanderpokal stiftet, die Kurzzeit- und Jubiläums-Konteste (mittlerweile reduziert auf den Frühjahrs- und Herbst-Test) halten die aktiven Mitglieder bis heute auf Trab.
Der persönlichen Begegnung dienen die DIG-Treffen, die seit dem Start 1969 in Kempen zumindest jährlich einmal stattfinden, häufig in Kombination mit anderen Veranstaltungen (ab 1970 und bis 2009 z.B. mit den DNAT (Deutsch-Niederländischen Amateurfunkertagen) in Bad Bentheim.
Man trifft sich nicht nur in Deutschland (1971: Berlin, 1972: Wolfsburg, 1973: Lahr usw.) sondern mit zunehmender Internationalität auch im Ausland (1973: Wien, 1984: Amsterdam, 1996: St. Petersburg usw.)
Die DIG wird immer internationaler. Genau neun Jahre nach der Gründung, also am 10. Oktober 1978 in Kempen am Niederrhein, beschließt und bestätigt der Vorstand die Gründung der DIG-Sektion OE, mit Leopold Schimak, OE1SIW, als ersten Sektionsleiter. In Almere wird bei einer eigens einberufenen Versammlung am 29. Januar 1984 die DIG-Sektion PA gegründet, mit Ger Lenheer, PA0OI als Leiter. Auf der Ham Radio in Friedrichshafen hebt man am 5. Juli 1986 die DIG-Sektion HB aus der Taufe, betreut von Nick Zinstag, HB9DZZ. Die DIG-Sektion OK folgt am 14. Oktober 1990 in Podborany, in Nordböhmen, und wählt Zdenek Riha, OK1AR. – Noch ein Jahr zuvor wäre der Gedanke an eine solche Idee als utopisch abgetan worden. Die politischen Umwälzungen der neunziger Jahre führen nicht nur zu einem bislang ungeahnten Mitgliederzuwachs, es folgen auch Anträge zur Gründung neuer Sektionen. Letzter Stand: DIG-Sektion SP, Augustyn Wawrzynek, SP6BOW; DIG-Sektion UR, Igor Mokhov, UY5AA; DIG-Sektion R, Aly Kuisokov, UA6YW.
Im Sommer 2009 zählt die DIG an die 6.300 Mitglieder, die Diplom-Beilage hält bei Seite 1892.

Ende 2009: Der Gründungsvater geht von Bord

Herz, Seele und Motor der DIG war und ist Eberhard Warnecke, DJ8OT. Bei allem Respekt vor seinen oft ebenfalls seit vielen Jahren tätigen Mitstreitern bleibt doch sein unermüdlicher Einsatz unübertroffen. Das in vielen Sonntagsreden strapazierte Wort vom „außerordentlichen Lebenswerk“, hier trifft es zu. Für einen Funkamateur wie ihn gilt das Aufgehobensein in einer großen Gemeinschaft mehr als die offizielle Anerkennung, aber auch ihrer ist Eberhard würdig. Er wurde unter anderem für seine Verdienste um das Allgemeinwohl und sein weltweites Engagement als Funkamateur vom Bundespräsidenten Johannes Rau mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und erhielt die Ehrung am 12. Juli 2001 in seiner Heimatstadt Velbert. – „“Der Umfang deines Einsatzes für den DARC e.V. und den Amateurfunk in Deutschland, Europa und weltweit ist groß und reicht einige Jahrzehnte zurück.“ Mit diesen Worten verlieh der DARC-Vorsitzende Jochen Hindrichs, DL9KCX, die Ehrenmitgliedschaft des DARC an Eberhard Warnecke, bei der Ham Radio in Friedrichshafen im Juni 2008.[7] Nach mehr als vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit im Dienste der DIG übergibt Eberhard Warnecke zum nun sein Amt an einen Nachfolger.

© by Günter Schupp, DL6IM, und Wolf Harranth, OE1WHC, sowie Eberhard Warnecke, DJ8OT.
Zuerst erschienen FUNK-TELEGRAMM 8/2009

 

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